Als städtischer Kindergarten hat man es nicht immer leicht: Mal gibt es Haushaltssperren, weil es einen Regierungswechsel auf Bundes-, Landes- oder kommunaler Ebene gibt, mal beginnt ein neues Geschäftsjahr. Veranschlagte Mittel – etwa für Mobiliar – können eingefroren oder einbehalten werden, je nach Haushaltslage.
Das Jahr 2025 war von genau solchen Ereignissen geprägt! Nach einem Regierungswechsel wurde der Haushalt erst nach neun Monaten, am 18. September, beschlossen. Unabhängig von der üblichen Sperre im ersten Quartal hing die Haushaltssperre wie ein Damoklesschwert über den Mitteln vieler städtischer Einrichtungen. Niemand wusste, wann sie aufgehoben würde. Durch Sparmaßnahmen wurden über 2.000 Euro eingefroren und zuletzt sogar einbehalten. Gegen Jahresende verhängte die Stadt eine komplette Ausgabensperre, sodass nur noch der Grundbedarf des Kindergartens gedeckt werden durfte.
Aus der Not eine Tugend machen
Schon in den letzten Jahren gab es vermehrt Anzeichen dafür, dass nicht nur an der Kultur, sondern auch an Bildung, gesellschaftlicher Teilhabe und städtischen Einrichtungen durch vermehrte Haushaltssperren gespart wird. Im Jahr 2025 lag die durchschnittliche Inflationsrate bei etwa 2,6 %, der Verbraucherpreisindex stieg um fast drei Punkte. Seit 2020 sind die Nettokaltmiete um etwa 10 Euro, die Wohnungsnebenkosten um rund 40 Euro und die Haushaltsenergie um etwa 20 Euro pro Monat gestiegen. Kurzum: Alles wird teurer, und wir müssen schauen, wo wir sparen können – was Ökonomen zwar für falsch halten, doch das ist eine andere Geschichte. Doch wie soll ein städtischer Kindergarten sparen, ohne an Qualität im Alltag oder auf lange Sicht zu verlieren?
Der Förderverein Kindertagesstätte Weltentdecker e. V. hat sich angesichts dieser Entwicklungen zur Aufgabe gemacht, den Kindergarten „Weltentdecker“ stärker zu unterstützen – mit mehr Engagement, mehr Kooperationen und mehr Fördermitteln. Denn wir sehen gravierende Probleme auf die kommenden Generationen zukommen.
„Freie Fahrt für freie Bürger!“
Dieses Zitat stammt aus einer ADAC-Kampagne von 1974 und passt zu unserer aktuellen Situation wie kaum ein anderes. Die PädagogInnen des Kindergartens müssen zwangsläufig Fahrkarten für Straßenbahnen oder Busse kaufen, um mit den Kindern etwa das Stadtmuseum „Die Göhre“, die „Bläserweihnacht“ im Volkshaus oder den Schwimmunterricht im GalaxSea besuchen zu können.
Das Stadtmuseum wird vom Eigenbetrieb JenaKultur der Stadt Jena betrieben, das GalaxSea gehört der Jenaer Bäder und Freizeit GmbH, die wiederum zu 100 % der Stadtwerke Jena GmbH untersteht – ein kommunales Energiedienstleistungsunternehmen. Die Straßenbahnen gehören zur Jenaer Nahverkehr GmbH, die zu 95 % den Stadtwerken Jena gehört. Dreimal darf geraten werden, wer von der Stadt Jena keine freien Tickets für den ÖPNV erhält! Richtig: städtische Angestellte – und damit auch unsere PädagogInnen
Man muss auf dieser Welt nicht alles verstehen oder erklären können – leider.
40 Fahrkarten zur freien Verfügung trotz Haushaltssperren
Wie eingangs erwähnt, darf der Kindergarten aktuell keine Fahrkarten aus dem eigenen Haushaltsbudget kaufen. Doch wie sollen die ErzieherInnen die Kinder zum Schwimmkurs begleiten oder die Bläserweihnacht im Volkshaus besuchen? Zu Fuß gehen?
Für uns als Förderverein war das inakzeptabel! Deshalb haben wir kurzerhand beschlossen, Abhilfe zu schaffen, und dem Kindergarten 40 Fahrkarten gespendet. Die Leidtragenden wären sonst die Kinder gewesen, die weder am Schwimmkurs noch an der Bläserweihnacht hätten teilnehmen können. Genau die drei Punkte, die wir eingangs genannt haben – Kultur, Bildung und gesellschaftliche Teilhabe – werden hier mit Füßen getreten. Das nehmen wir als Förderverein nicht hin, sondern handeln: Denn nur gemeinsam erreichen wir Außergewöhnliches.
Euer Team vom Förderverein
